Petition

Unser Schlachthof – Garant für Tier-und Menschenwohl

Eine Petition gegen den Erhalt des Rottenburger Schlachthofs wurde bis Ende Juni bundesweit etwa 1000 mal angeklickt. Autoren der Petition waren die Mitglieder des örtlichen Ablegers von Animal Save, einer veganen Tierschutzvereinigung, die prinzipiell gegen die Nutzung von Tieren und Tierprodukten ist.

Für uns Mitglieder der Initiative für den Erhalt des Schlachthofs Rottenburg ist diese Petition doppelt ärgerlich.
So wurden Argumente in falsche Zusammenhänge gebracht, unwahre Behauptungen aufgestellt und vor allem objektive Stimmungsmanipulation betrieben. Nach unserem Eindruck wurde wahrscheinlich auch das Tonmaterial des dazu gehörenden späteren Videos gefälscht.

Als Zweites hatten wir als Initiative den Mitgliedern von Animal Save angeboten, sie im Falle der Einrichtung eines Dokumentationszentrums am Schlachthof mit ihren Anliegen zu berücksichtigen. Statt in eine vertrauensvolle Kooperation zur Verbesserung des Tierwohls einzugehen, hat Animal Save ohne Rücksicht auf den Wahrheitsgehalt bezüglich des Rottenburger Schlachthofs lieber entschieden ihrer vermeintlich idealistischen Perspektive die einzige Priorität zu geben.

Schade, so werden fruchtbare Diskussionen verhindert.

Die Folgen:

Wer – von den besagten leider unlauteren Argumenten bewegt – vorschnell bundesweit diese Petition gegen den Rottenburger Schlachthof anklickt, fördert genau das, was er nicht will.

Jeder kleine Schlachthof ohne Finanz- und Lobbymacht, der verschwindet, fördert die Agrargroßindustrie, die sich nicht von Petitionen beeindrucken lässt, mit all ihren unerwünschten Folgen:

  • Monokulturen, Artensterben und eintönige Landschaften durch die Monokulturen mit zwangsläufiger Pestizid und Herbizidausbringung.
  • Zerstörung der Natur und kultureller Strukturen in anderen Ländern für den Export von Soja etc. für Großmastbetriebe.
  • Zerstörung der materiellen Grundlagen für kleinere bäuerliche Betriebe, Nebenerwerbslandwirte und Privathalter durch Preisdumping und Marktverdrängung.
  • „ertragsoptimierte“ Massentierhaltung, Tierqual durch endlose Transportwege, fabrikmäßig getaktete Schlachtvorgänge unter artwidrigen Umständen.
  • Grundwasserverseuchung, Klimabelastung.
  • unmenschliche Arbeitsbedingungen der Niedriglohnarbeitskräfte.
  • Gefährdung unserer Gesundheit durch Einsatz von Reserveantibiotika, Mastmittel etc.
  • die Zerstörung der Lebensgrundlagen durch die subventionierten Resteexporte der Großschlachthöfe und Discounter für Millionen Menschen in der Dritten Welt, die aus der Not heraus in die Migration getrieben werden.

Unsere Bauern und Metzger können Ihnen aus der Alltagspraxis stundenlang erzählen, was die Schließung des Schlachthofs Gärtringen und die kommende Schließung von Balingen für Mensch und Tier bedeuten, wenn sie heute nach Göppingen, Bühl oder bis ins Allgäu fahren müssen. Der Schlachthof in Ulm nimmt Tiere nur noch zu Weltmarktpreisen ab von denen normale Bauern nicht mehr leben können. Dazu sichert ein solcher Großschlachthof nicht mehr zu, dass die Metzger die Tiere bekommen, die sie angeliefert haben.

Wer eine verantwortliche Tierhaltung will, wie sie im Wochenendmagazin des schwäbischen Tagblatts vom 26.06.2021 oder in der SZ vom Wochenende beschrieben wurde, setzt sich ein für unseren Schlachthof:

Wir wollen den Rottenburger Schlachthof erhalten

  • für eine individuelle Tierhaltung in kleineren Einheiten,
  • für den Schutz des Tierwohls, der gestärkt wird durch kurze Fahrwege, ausreichend Zeit beim Entladen und das neue Schlachtkonzept unserer Landwirte und Metzger, mit dem seelenlose Routinen vermieden werden,
  • für den Erhalt der bäuerlichen Familienbetriebe, die nur von unseren Metzgern und uns Direktkunden faire Preise bekommen,
  • für unsere schöne Landschaft mit ihrer Artenvielfalt an Insekten und Tieren, die geprägt ist von vielfältigen kleinteiligen Feldern und der Weidewirtschaft, die unseren Schlachthof zum Überleben braucht,
  • für eine lokale Wertschöpfung in allen Stufen mit hoher Qualität,
  • für menschenwürdige Arbeitsbedingungen,
  • für eine freiwillige Reduktion des Fleischverzehrs durch Qualitätsbewusstsein und ein wachsendes Verständnis für die komplexen Zusammenhänge von Tierhaltung und Umweltschutz,
  • für eine FairTrade-Stadt Rottenburg, die nicht beiträgt zur Not in fernen Ländern, indem von uns konkurrenzlos billige Schlachtreste dorthin exportiert werden. Wer keine Toten auf den Fluchtrouten will, darf die Menschen anderswo nicht in Not bringen.

Ach ja zum Abschluss noch eine Erläuterung zu einem Fremdwort im Tagblattartikel vom 28.06.2021:

Animal Save bekämpft den „gelebten Speziesismus“ unserer Gesellschaft und deswegen auch den ökologisch, im Sinne des Tierwohls, sozial, ökonomisch und zur Sicherung unserer Grundversorgung mehr als sinnvollen Rottenburger Schlachthof.

Das Fremdwort Speziesismus mag den meisten noch unbekannt sein.
Vereinfacht bedeutet es, dass wir, die Mehrheitsbevölkerung, zwar der Meinung sind, dass alle Lebewesen gut behandelt werden sollen, aber zum Entsetzen von Animal Save nicht bereit sind, Tiere in ihrer Wertigkeit Menschen gleichzusetzen.

 

Wir unterscheiden also unterschiedliche Spezies – hier Tier/Mensch – in ihrer Wertigkeit.

Über die optimalen Bedingungen der Haus- und Nutztierhaltung werden wir uns immer wieder neu Gedanken machen müssen.

Trotzdem, bisher setzen die meisten von uns Tiere und Menschen nicht gleich. Darum führen wir Hunde an der Leine, lassen ein kleines Kätzchen kastrieren, damit es später als Kater nicht die Wohnung markiert und bejagen Wildtiere, weil es keine natürlichen Feinde mehr gibt.

Bei Menschen wäre das undenkbar.

 

Ein Comedian könnte den Unterschied noch prägnanter deutlich machen und vielleicht sagen:

„… darum werden wir Hühnern und Gänsen kein Wahlrecht zugestehen, keine Schulpflicht für Schweine einführen und kein Harz 4 an Großtiere auszahlen.“

Nun im Ernst:

Das Ziel unserer Initiative ist es, die Lebensqualität von Tieren und Menschen zu verbessern und dabei schonend und verantwortlich mit der Natur und Umwelt umzugehen.